Dysregulation des Nervensystems bei Long Covid verstehen

Alle regulären Blutbilder, medizinischen Tests und Untersuchungen sind in Ordnung.

Du bist – zumindest laut Befund – „kerngesund“. Und trotzdem reichen manchmal zwei Hände nicht aus, um all die Symptome aufzuzählen, die du täglich erlebst.

Viele Menschen mit Long Covid oder ME/CFS kennen genau diese Situation. Die Beschwerden sind real und oft sehr belastend, gleichzeitig lassen sich in vielen Untersuchungen keine eindeutigen Ursachen finden. Eine mögliche Erklärung für dieses scheinbare Paradox liegt im autonomen Nervensystem.

Bei Long Covid und ME/CFS kommt es bei vielen Betroffenen zu einer Dysregulation des vegetativen Nervensystems. Dieses System steuert eine Vielzahl grundlegender Körperfunktionen wie Atmung, Herzschlag, Verdauung, Stoffwechsel oder auch den Schlaf-Wach-Rhythmus. Normalerweise arbeiten hier verschiedene Bereiche eng zusammen und halten den Organismus in einem dynamischen Gleichgewicht.

Sympathikus und Parasympathikus

Innerhalb des vegetativen Nervensystems sind vor allem zwei Systeme wichtig: der Sympathikus und der Parasympathikus. Vereinfacht gesagt sorgt der Sympathikus dafür, dass der Körper aktiv werden kann. In Stresssituationen stellt er Energie bereit, erhöht die Aufmerksamkeit und bereitet den Organismus darauf vor zu kämpfen, zu fliehen oder sich zu schützen. Dieser Zustand ist kurzfristig sinnvoll, verbraucht aber gleichzeitig Energie.

Der Parasympathikus übernimmt gewissermaßen die Gegenbewegung. Er unterstützt Ruhe, Verdauung, Regeneration und den Aufbau von Energie. In diesem Zustand kann der Körper sich erholen und Prozesse der Reparatur und Regeneration können stattfinden. Gerade nach Belastungen ist dieser Zustand wichtig.

Wenn das Nervensystem reguliert arbeitet, wechseln sich diese beiden Zustände flexibel ab. Aktivität wird von Phasen der Regeneration gefolgt, sodass der Körper immer wieder Gelegenheit hat, Energie aufzubauen.

Dysregulation des Nervensystems

Bei einer Dysregulation des Nervensystems kann dieses Gleichgewicht jedoch gestört sein. Der Organismus bleibt dann häufig in einem Zustand erhöhter Aktivierung. Viele Betroffene erleben ihren Körper wie dauerhaft im Alarmmodus. Das kostet Energie und erschwert gleichzeitig die notwendige Regeneration.

Aus dieser Perspektive lassen sich viele Symptome von Fatigue, Long Covid oder ME/CFS zumindest teilweise besser verstehen. Der Körper kommt zu selten in einen Zustand, in dem er wirklich zur Ruhe kommen und sich erholen kann.

Wichtig:

Die Nervensystemperspektive bedeutet nicht, dass Long Covid oder ME/CFS ausschließlich ein Nervensystemproblem wären. Beide Erkrankungen gelten als komplexe körperliche und neuroimmunologische Erkrankungen, und es gibt auch Hinweise auf Veränderungen im Immunsystem oder Stoffwechsel. Die Regulation des Nervensystems kann jedoch ein wichtiger Baustein sein, um besser mit den Symptomen umzugehen und dem Körper wieder mehr Möglichkeiten zur Erholung zu geben.

Wie kann ich mein Nervensystem regulieren?

Viele Ansätze zur Regulation des Nervensystems setzen deshalb bei einfachen, wiederholbaren Praktiken an. Dazu gehören zum Beispiel Atemübungen, Meditation, Yin oder Restorative Yoga, Yoga Nidra, ruhige Spaziergänge oder andere Aktivitäten, die dem Körper helfen können, in einen Zustand von Sicherheit und Entspannung zu kommen.

Dabei ist wichtig zu verstehen, dass diese Übungen kein schneller Fix sind. Aus meiner eigenen Erfahrung braucht das Nervensystem Zeit und vor allem Regelmäßigkeit. Viele Betroffene merken erst nach mehreren Wochen, dass sich der Körper langsam wieder etwas beruhigt. Der Organismus muss gewissermaßen neu lernen, dass er sich sicher fühlen darf.

Dieser Prozess braucht Geduld und oft auch ein gewisses Maß an Mitgefühl mit sich selbst. Gerade bei Fatigue kann es hilfreich sein, mit sehr kleinen Schritten zu beginnen und dem Körper immer wieder Gelegenheiten zu geben, in einen Zustand von Ruhe und Regeneration zurückzufinden.

So kannst du starten

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